Gedichte

Baltrum, darum.

Das Meer leckt leise den Sand.
Die Kutter paddeln nach Norden.
Herzmuscheln rufen nach dir.
Die Taschen voll,
legst du dem Meer
die Sonne
sacht auf die Wogen.


Eisblumen

Sie gibt den Blumen Namen
und hüllt die Stille in blaue Schatten,
ein Wiegenlied der Seele summend.
Düfte, Nebel, wirbelnd .
Es herbstet über Nacht.
Errötet tupfen Blätter dir Wegmarken in Nebel vom Vergehen.
Wohin strauchelst du, fortwärts, dem nackten Morgen zu?
Wiesenschaumkraut – Träume legen Leid in Wolken aus Sehnsuchtsseide.
Worte schwimmen im Meer dir von ersticktem Begehren, nachtnarbengesichtig.
Achtsam gebierst du innere Schönheit,
dir Leidensmeer durchschwimmend.
Nur eine Mondbreite zur Sonnenwende hin
durchschreiten die Reifflocken,
sinken zu deinen Füßen hin.
Raunachtdurchwandernd säst du Schwermutsamen
ins gerinnende Bewusstsein eines keimenden Jahres.

Bretagne

blaublütige Hortensien
gelbflügeliger Ginster
rotwangig wir
vom Wind und
vom Cidre und
weiße Gischt am
braunen Granit

Ökologie

Eine Welt aus Kreisen
sehen wir
nur
als
Linie nach rechts oben,
Apelle von Einflügelengeln.

Niemand kann zweimal
in den gleichen Fluss steigen.
Geist und Materie sterben gemeinsam,
die Idee lebt weiter.

Wie klingt die Leere?
Welchen Ton hat das Nichts?
Wie riecht ein Sonnenaufgang?
Warum knackt Laub
wie dünne Fischgräten unter den Füßen?

Nichts zu verändern macht Angst
und wer allein sucht, verläuft sich nur.

Herbstblut

Dem Sturzbach gleich
gießt sich mein Blut in Gleichmut,
die Wunde suche ich vergebens.

Den salzigen Geschmack von Sehnsucht,
legt der Nebel auf die Lippen,
und Eisperlen speit der Herbst mir vor die Füße.

Hier ist nichts
hier wird nichts sein,
und alle Worte sind gesprochen.

Mondsicheln mähen Nächte
zu Garben aus gestockter Dunkelheit,
und Morgen wandert nackt am Horizont.

Heißer schrei ‘n vom Haag die Raben.
ein Ozean aus Leid geleert mit einem Löffel,
und eine letzte Regung in der Glut verlischt.

Komm Tod,
laß uns die Anker lichten.
Da kommt der Engel der die Pforten hebt.